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Inkontinenz: Kein Tabuthema mehr

 

Nahaufnahme einer Person im Stehen, die sich die Hände vor den Unterleib hält.

© mraoraor AdobeStock 277287196

Bei ungewolltem Urin- oder Stuhlverlust richtet sich der Alltag oft danach, wo die nächste Toilette ist. Darüber zu sprechen, ist für viele ein Tabu. Aus Scham suchen Betroffene daher auch nur zögerlich Hilfe auf. Manche verzichten bewusst auf Sport, Reisen oder Treffen mit anderen Menschen. 

Doch Inkontinenz ist weit verbreitet. Etwa zehn Millionen Menschen leben in Deutschland mit Harninkontinenz. Fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Stuhlinkontinenz. Frauen und Männer jeden Alters können betroffen sein. 

Was ist Inkontinenz?

Normalerweise können die Blase oder der Enddarm den Inhalt speichern, wenn gerade nicht der passende Zeitpunkt für einen Toilettengang gegeben ist. Dabei arbeiten Schließmuskel, Beckenboden und Nerven eng zusammen. Gerät dieses Zusammenspiel jedoch aus dem Gleichgewicht, hat das zur Folge, dass Urin, Gase oder Stuhl ungewollt abgehen. 

Eine solche Funktionsstörung wird unter dem Begriff Inkontinenz zusammengefasst. Bei Stuhlinkontinenz ist die Kontrolle des Darminhalts erschwert. Bei der Harninkontinenz ist dagegen die Blase beeinträchtigt. Umgangssprachlich spricht man oft von einer Blasenschwäche. 

Die Beschwerden können schwer bis leicht sein. Jede Ausprägung verdient aber eine fachliche Abklärung.

Ursachen von Harn- & Darminkontinenz

Die Ursachen von Inkontinenz können vielfältiger Natur sein. Häufig liegt es an einer schwachen Muskulatur im jeweiligen Körperbereich. Bei Blasenschwäche kann der Beckenboden beeinträchtigt sein, bei Stuhlinkontinenz der Schließmuskel. Aber auch Nerven, Organe, Vorerkrankungen und Medikamente können einen Einfluss darauf haben, wie gut sich Urin und Stuhl kontrollieren lassen. 

Typische Auslöser von Inkontinenz können sein:

  • Schwangerschaften und Geburten
  • Hormonelle Störungen z. B. in den Wechseljahren
  • Übergewicht und Diabetes
  • Operationen im Beckenbereich 
  • Erkrankungen der Prostata bei Männern
  • Neurologische Leiden wie Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose oder Schlaganfall 
  • Verletzungen des Schließmuskels, chronische Verstopfung oder Durchfall
  • Veränderungen am Enddarm

Häufige Formen der Harninkontinenz

Eine Harninkontinenz kann verschiedene Formen annehmen, die jeweils eine andere Behandlung erfordern können. Die häufigsten Formen sind Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz, die beide auch als Mischinkontinenz auftreten können. 

Bei der Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) kommt es zu einem Urinverlust, wenn die Körperregion belastet wird. Typischerweise ist das beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Sport der Fall. Ursächlich ist dabei ein Anstieg des Drucks im Bauchraum. Der Beckenboden oder der Verschlussapparat der Harnröhre sind meist zu schwach, um dem Druck standzuhalten.

Die Dranginkontinenz zeigt sich durch einen Harndrang, der überfallartig stark einsetzt. Grund dafür ist eine überaktive Blase. Der Blasenmuskel zieht sich zusammen, obwohl die Blase eigentlich noch gar nicht voll ist. Ursachen können Blasenentzündungen, eine vergrößerte Prostata, Wechseljahre oder neurologische Leiden sein.

Eine Überlaufinkontinenz entsteht dagegen, wenn die Blase nicht richtig geleert wird. Auf Dauer überfüllt sie sich und verliert tropfenweise Urin. Typische Auslöser sind eine verengte Harnröhre oder eine schwache Blasenmuskulatur.

Diagnose bei Inkontinenz

Vor der Behandlung steht zunächst eine gesicherte Diagnose der Form und des Schweregrads der Inkontinenz. In einem ausführlichen Gespräch gilt es daher erst einmal zu klären, seit wann die Beschwerden auftreten, wie häufig sie sind und was typische Auslöser sein könnten. Auch Erkrankungen und Arzneimittel werden unter die Lupe genommen. In der Regel erfolgen je nach Befund eine Probe, ein Ultraschall und eine körperliche Untersuchung. 

Geeignete Anlaufstellen für Betroffene sind der Hausarzt sowie urologische oder gynäkologische Praxen. Bei Stuhlinkontinenz kann eine proktologische oder gastroenterologische Abklärung sinnvoll sein. 

Apotheken bieten eine diskrete Beratung zu Saugstärke, Anwendung und Hautschutzmitteln.

Behandlungsmöglichkeiten bei Inkontinenz

Beckenbodentraining

Ist die Ursache gefunden, kann es an die Behandlung gehen. Bei vielen Formen kommt dabei ein gezieltes Beckenbodentraining zum Einsatz. Ziel ist es, die Muskelschicht zu kräftigen, die Blase, den Darm und die Beckenorgane trägt. Unter physiotherapeutischer Anleitung gelingt dies besonders effektiv, da sich die passenden Muskeln im Becken ohne Übung nur schwer von den Muskeln in Bauch und Gesäß unterscheiden lassen.

Gezieltes Blasentraining

Bei einer überaktiven Blase, wie sie häufig bei Dranginkontinenz auftritt, macht es Sinn, den Toilettengang zu üben. Durch schrittweise Verlängerungen wird der Harndrang bewusst überbrückt. Die Blase lernt dabei mit und meldet sich immer häufiger erst, wenn sie auch wirklich gefüllt ist. 

Biofeedback

Biofeedback ist eine eher unkonventionelle Methode zur Behandlung von Inkontinenz. Gemeint ist die Messung der Aktivität im Beckenboden oder Schließmuskel über eine Sonde oder Elektroden. Während einer Übung wird die Anspannung des jeweiligen Bereichs als Grafik auf einem Bildschirm oder einer App sichtbar. Das erleichtert die Wahrnehmung der richtigen Muskeln und ermöglicht ein bewusstes Training.

Weitere Maßnahmen

In hartnäckigen Fällen sind gegebenenfalls eine Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox) oder operative Verfahren notwendig.

Zudem empfiehlt sich bei starkem Übergewicht das Anstreben einer Gewichtsreduktion. Auch Verstopfung oder chronischer Husten müssen mit gezielten Maßnahmen behandelt werden. 

Bei Fragen zu Inkontinenz und passenden Hilfsmitteln sind wir gern persönlich für Sie da. In unserer Apotheke beraten wir Sie diskret und mit der nötigen Ruhe.

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